Katharina Moser, die Route-28-Organisatorin

Vermittlerin und glücklicher Fahrgast auf der Unternehmer-Achterbahn

Text: Christoph Kristandl
Foto: Andreas Edler

Katharina Moser hat ihr Gefühl von Europa zum Beruf gemacht und definiert sich heute als „gesellschaftspolitische Unternehmerin“. Was das bedeutet und warum es einer Achterbahnfahrt gleicht.

Katharina Moser erwartet uns in einem Wiener Coworking Space zum Gespräch. Sie sitzt links hinten in der Ecke, nur ein weißer Vorhang trennt sie von anderen jungen Unternehmern – oder solchen, die es werden wollen.

Ein gängiges Arbeitsplatz-Arrangement für Menschen, die ihre eigene Vision, ihre Geschäftsideen und Projekte verfolgen. Und obwohl Moser schon bei einflussreichen Institutionen angestellt war und heute mit eben solchen zusammenarbeitet, passt sie hierher. Gesellig, offen und unkompliziert wie die Atmosphäre sich hier darstellt, so ist auch sie selbst und ihre Arbeit.

Mosers Projekt heißt Europa – aber nicht als Politik, nicht als EU, als blaue Flagge mit gelben Sternen oder Eurozone. Diese Dinge mögen kleine Teile der zugrundeliegenden Basis sein, aber wenn Moser von Europa spricht, meint sie ein Gefühl. Und das zu vermitteln, ist für sie Beruf und Berufung zugleich.

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  • Katharina Mosers Sicht von Europa
  • ein Gefühl, das zum Beruf wurde
  • die lohnende Achterbanhfahrt als Unternehmerin
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„Europa ist oft etwas sehr Persönliches. Für mich war es das Gefühl, als ich im Alter von 18 in Spanien mit acht Menschen aus sieben Ländern zusammengewohnt habe. Daraus habe ich sehr viel Schönes und großes Interesse gezogen“, sagt Moser.

Aus Interesse wurde die Bestrebung, ein solches Gefühl auch anderen Menschen zu vermitteln. Europa habe durch die politische Komponente, die EU und ihr schwer nachvollziehbares Konstrukt einen negativen Touch bekommen, meint Moser. Wichtig sei es daher, das Europäische auf das Alltägliche, das Gesellschaftliche herunterzuholen. 

„Ich möchte Europa positiv erlebbar machen. Denn das ist es, was ich selbst erlebt habe und was mich dazu inspiriert hat, etwas zurückzugeben … ok, das klingt jetzt ein wenig pathetisch. Für mich geht es um die Unterschiede zwischen Menschen, Kulturen und Ländern, die meinen Horizont erweitert haben. Es geht darum, Empathie herzustellen und das europäische Gefühl zu stärken. Das versuche ich über recht viele kleine Wege.“

Diese kleinen Wege fanden bislang viele verschiedene Ausformungen. Schon vor acht Jahren schrieb Moser das Buch „Servus, Bussi und Baba und was Europäer sonst noch typisch österreichisch finden …“ Dafür sprach sie mit 130 jungen Menschen aus Europa und bekam neben Klassikern wie Schnitzel und Bergen auch einige unerwartete Eindrücke serviert: „Etwa die Verwunderung darüber, dass man sich Mahlzeit wünscht oder dass das System der Zeitungsständer funktioniert und Leute da wirklich Geld hineinwerfen.“

Einem Cafe-Plausch mit den damals durch Europa reisenden Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr – mittlerweile bekannt als Initiatoren der Initiative FreeInterail – ist es geschuldet, dass Moser auch an der Publikation „Who, if not us?“ mitwirkte. Der Essay umfasst zwölf persönliche Geschichten von zwölf jungen Menschen. Ihre unterschiedlichen Probleme und ihr Umgang damit sollen andere Jugendlichen inspirieren, „sie plakativ gesagt motivieren, aktiv zu sein und ihnen zeigen, dass sie etwas ändern und etwas aus ihrem Leben machen können. Nach dem Motto ‚Life is not what happens to you, it’s what you make of it’“.

Who, if not us?

Blätter online im Buch

Machen ist das Stichwort, denn auch Moser macht am liebsten selbst. Ihre Arbeit u.a. für das Forum Alpbach führte sie mit vielen internationalen Institutionen zusammen, während ihrer Bildungskarenz erkannte sie aber, dass sie eigene Dinge entwickeln will und gründete ihre eigene Agentur.

„Ich habe mich umgesehen, was es so an Projekten gab, aber außerhalb der Institutionen war da nicht viel. Und die scheitern oft daran, dass das Thema Europa bei ihnen trocken und humorbefreit herüberkommt“, schildert Moser, die sich als „gesellschaftspolitische Unternehmerin“ sieht und mit „Mosaik“ verschiedene Projekte umsetzt, die Menschen, Kulturen und Länder verbinden sollen. Wie etwa ein Kartenspiel, das mit überraschenden Fakten das Wissen über die Länder Europas aufbessert oder die Route 28, Mosers neuestes Projekt - „eine Europareise durch Wien“.

„Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, Europa und dieses Reisegefühl zu erleben, ohne wirklich verreisen zu müssen“, sagt Moser über die kleine Wanderung durch Wien, auf der Stationen zu den jeweiligen Ländern warten. „Das soll aber nicht nur eine Trachten- und Kulinarik-Veranstaltung oder ein Spiel mit Klischees werden“, versichert sie. „Die belgische Comic-Kultur ist etwa ebenso Thema, wie italienische Gesten oder Deutschlands Poetry-Slam-Szene, europaweit die größte.“

Mosers Wirken ist idealistisch. Bekanntermaßen lässt sich mit Idealen aber kein Reichtum anhäufen. Warum tut sie sich also den ewigen Kampf um Partner, Finanzierung und Erfolg ihrer Projekte an?

Katharina Moser, die Route 28-Organisatorin

Nach der erfolgreichen Generalprobe 2016 findet die Route 28 heuer am 6. Mai in Wien statt.

© Osaka

„Ich glaube, als Unternehmer fährst du grundsätzlich jeden Tag auf dieser Achterbahn: Himmelhoch jauchzend denkst du: ‚Ich kann etwas in die Welt setzen, das es ohne mich nicht geben würde.‘ Und dann fragst du dich wieder: ‚Wo zum Teufel kriege ich die Miete her?‘“ 

„Das macht einen zwar jeden Tag fertig, aber das ist eben auch so ein bisschen das Spiel, auf das man sich einlässt. Man vermisst auch die Tage, an denen man einfach nachhause geht und die Arbeit gut sein lassen kann. Aber es wird dadurch wettgemacht, dass man ein Stück von sich und von dem, was man für sinnvoll erachtet, in die Welt tragen kann.“

In schwierigen Phasen sind es vor allem die Menschen mit denen sie zusammenarbeitet, die ihr die notwendige Motivation geben. „Gerade als Einzelunternehmerin musst du unglaublich viel alleine kämpfen, aber wenn du den Punkt erreichst, an dem Leute mitmachen, weil sie von dem begeistert sind, was du machst … am Anfang kannst du ja gar nicht glauben, dass jemand bleiben will, wenn du ihm erklärst, dass es nicht viel Geld zu verdienen gibt und alles sehr unsicher ist. Aber wenn sie dann trotzdem bleiben, ist das das Schönste.“

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