Red Bull Mind Gamers Puzzle

Vergiss, was du über die linke und rechte Gehirnhälfte weißt

Text: Allison Pohle
Foto: Christopher Kelemen / Red Bull Content Pool

Wie du in einem Team zusammenarbeitest, beeinflusst deinen Erfolg deutlich mehr als deine Gehirnhälften.

Ein Biophysiker, ein Chemiker, eine Computerwissenschaftlerin und ein Physiker kommen in eine Bar - nein, das ist nicht der Beginn eines zweitklassigen Witzes. Das entscheidende Ereignis in dieser Geschichte fand aber eigentlich rund eine Stunde vor dem Eintritt in das Lokal statt, als diese Gruppe von Absolventen des MIT (Massachusetts Institute of Technology) für 20 Minuten in einen dunklen Raum gesperrt wurde. Mit nichts als vier Bildschirmen, die eine „Mind Puzzle“-Challenge für das Team bereithielten.

Diese bunt zusammengewürfelte Truppe war aber nicht das einzige Team, das sich dieser Herausforderung stellte. Die Organisatoren von Red Bull Mind Gamers luden zudem ein Team des Berklee College of Music ein, am Wettkampf teilzunehmen. Der Hintergrund: Man wollte sehen, ob sich die Herangehensweisen und Techniken zum Problemlösen unterscheiden. Immerhin sollten die MIT-Wissenschaftler eher von ihrer linken Gehirnhälfte getrieben werden, die Berklee-Musiker von ihrer rechten.

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Red Bull Mind Gamers

Red Bull Mind Gamers: Diese Teilnehmer kämpfen bei einem der nationalen Qualifikationsevents um einen Finalplatz in Budapest.

© Christopher Kelemen / Red Bull Content Pool

Die Challenge ist so strukturiert, dass die Teilnehmer nicht wissen, worum es bei den Puzzles geht. Das heißt, sie müssen herausfinden, wie das Problem zu lösen ist, obwohl sie nicht wissen, was genau das Problem ist. Ob es ihnen gelingt, hat nichts damit zu tun, ob sie eher ihre linke oder rechte Gehirnhälfte benutzen. Es geht darum, wie sie als Team miteinander kommunizieren.

In der Gesellschaft hält sich die Vorstellung, dass eine Gehirnhälfte das Denken und Handeln von Menschen dominiert. Die Links-Getriebenen, so sagt man, sind eher analytisch und logisch denkende Mathe-Nerds, in unserem Fall also die MIT-Absolventen. Den vermeintlich Rechts-Dominierten wird eher ein großes Maß an Kreativität und Vorstellungskraft nachgesagt - Künstler, wie die Berklee-Musiker. Allerdings ist eine solche Generalisierung schwierig und Neurowissenschaftler haben diese Annahme bereits widerlegt.

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„Menschen neigen nicht dazu, eine stärkere linke oder rechte Gehirnhälfte zu haben“, meint Jeff Anderson, Doktor der Medizin und der Philosophie an der University of Utah. Er veröffentlichte eine Studie, die diesen weit verbreiteten Irrglauben entlarven konnte. „Allerdings entspricht es der Wahrheit, dass einige Funktionen in einer bestimmten Gehirnhälfte beheimatet sind. Sprache wird beispielsweise eher in der linken Hälfte verarbeitet, die Wahrnehmung der Außenwelt eher auf der rechten.“

Das bedeutet etwa, wenn es ums Problemlösen geht, benutzen Wissenschaftler wie Künstler gleichermaßen die linke Gehirnhälfte, um über mögliche Lösungen zu sprechen, bestätigt Neurowissenschaftlerin Kara D. Federmeier. Die rechte Seite kommt ins Spiel, wenn Menschen mit einem unklaren Problem konfrontiert werden und sie nach Lösungen suchen, die nicht offensichtlich sind. „Wenn Menschen versuchen, diese vagen Probleme verbal zu lösen, enden sie in einer Schleife“, erklärt Federmeier.

Die Red Bull Mind Gamers Puzzles erfordern das Interagieren mit einzelnen Mosaiksteinen in einem spielerischen Umfeld, um einen Pfad aus Verbindungslinien vom Anfang bis zum Ende zu bauen. Im Verlauf des Spiels poppen die Elemente der einzelnen Puzzles auf den vier Bildschirmen auf. Das erfordert Kommunikation der Teammitglieder, damit sie wissen, wer von ihnen welches Element löst.

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Es geht beim Schach nicht um physische Kraft, sondern darum, schneller und besser zu kalkulieren, clevere Ideen und Züge zu finden und die Kontrolle über deine Nerven zu wahren, wenn die Uhr heruntertickt. Um dich herum ist es völlig ruhig, aber in dir drinnen herrscht das genaue Gegenteil.

Oder man macht es wie das Team aus Berklee, das aus je zwei Mitgliedern der Fachgebiete Musik-Business und Filmvertonung bestand. Anstatt sich aufzuteilen, wanderte es gemeinsam von Bildschirm zu Bildschirm und diskutierte die möglichen Lösungen, bevor diese ausprobiert wurden. Eines der Teammitglieder, Charles Augustine, übernahm schließlich die Führung und schrie seiner Mannschaft Instruktionen zu. Oftmals trat er auch vor sie, um das Puzzle selbst zu lösen.

„Wir sind es angegangen, als würden wir Sonntagnachmittag in Charles Wohnung Video-Games spielen“, meint sein Teamkollege Asher Roper. „Wir haben alle herumgeschrien und versucht, durch Diskutieren auf den richtigen Lösungsweg zu kommen.“

Die MIT-Teammitglieder hingegen nahmen jeweils vor einem Bildschirm Aufstellung. Sie arbeiteten ruhig und individuell am jeweiligen Puzzle. Durch diese Aufsplittung konnten sie die insgesamt 16 Puzzles der Challenge lösen, bevor die Zeit abgelaufen war. Berklee kam in den zur Verfügung stehenden 20 Minuten nur auf 14 gelöste Puzzles. „Wir alle kannten unsere Rolle. Ohne etwas abzusprechen, haben wir uns einfach getrennt und unseren Part gelöst“, erklärt Jaeseung Hahn, der Physiker des MIT-Teams. „Wir waren auf einer Mission.“

Was lernen wir für den Alltag daraus? Das Siegerteam hat gezeigt, dass es bei einer unklaren Herausforderung, deren Lösung nicht offensichtlich ist, hilft, keine Zeit mit dem Besprechen innerhalb der Gruppe zu verlieren.

„Am MIT sind wir es gewohnt, nicht zu wissen, worum es geht. Das demoralisiert uns mittlerweile nicht mehr, deshalb denken wir: ‚Lasst uns einfach etwas ausprobieren.‘“, sagt Britni Crocker, die Computerwisschenschaftlerin im Team. „Jeder von uns hat verschiedene Ansätze versucht, solange bis wir es heraus hatten.“

Zwei Teams, zwei verschiedene Ansätze. Am Ende waren sich allerdings alle einig, ganz gleich in welcher Mannschaft sie kämpften und welchen Background sie hatten: Für die Bewältigung dieser Challenge hatten sie sich einen Drink verdient. 

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11 2016 The Red Bulletin Innovator

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