Rainy Day: Ein Spiel gegen Depressionen

„Rainy Day“: Ein Spiel kämpft gegen Depressionen

Text: Margarida Gorecki
Bild: Pixabay/skeeze

Das Online-Game „Rainy Day“ soll Menschen mit Depressionen und Ängsten helfen. Angehörige bekommen durch das Spiel einen Einblick in das Leben der Betroffenen.

Für Menschen mit Depressionen oder starken Ängsten können einfache Aufgaben im Alltag, wie das Aufstehen oder Duschen, eine große Herausforderung darstellen. Das Gefühl des Scheiterns, wenn man es nicht aus dem Bett oder ins Bad schafft, verstärkt das Leiden noch zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund kreierte die brasilianische Spiele-Entwicklerin Thais Weiller, gemeinsam mit Designerin Amora B, Rainy Day. Ein Spiel, dass die Herausforderungen von Depressionen aus der Sicht von Menschen zeigt, die damit leben.

Das Spiel, verfügbar in Englisch und Portugiesisch, fordert den User auf, Entscheidungen über einfache Aufgaben zu treffen. Es gibt dabei kein klares Ziel oder korrekte Antworten. Die Illustrationen und die häufig unklaren Texte, die Bewusstseinsstörungen verdeutlichen sollen, demonstrieren mit Präzision, wie schwer simple Entscheidungen ohne die nötige mentale Klarheit und Kraft fallen. Am Ende des Spiels wird der User informiert, wo depressive Menschen Hilfe bekommen können.

Red Bull Amaphiko sprach mit Thais Weiller über den Entwicklungsprozess des Spiels und ihre eigenen Erfahrungen mit Depressionen.

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Rainy Day: Ein Spiel gegen Depressionen

© Rainy Day/Screenshot

Wie kam es zu diesem Spiel?

Ich habe immer mit den Problemen gelebt, die im Spiel gezeigt werden, schon seit ich ein Kind war. Aber ehrlich gesagt habe ich das nie mit Depressionen in Verbindung gebracht. Ich dachte immer, ich hätte einfach nur einen schlechten Moment in meinem Leben. Letztes Jahr, als ich mich in einem dieser Momente befand, habe ich entschieden, zu versuchen, meine Erlebnisse in einem Spiel darzustellen. Es war überraschend zu sehen, dass sich so viele Menschen mit diesen Momenten identifizierten und ich verstand, dass diese Gefühle die ich hatte, Teil von Depressionen waren.

Welche Herausforderungen mussten Sie bewältigen, um das Spiel zu realisieren?

Vor allem persönliche. Ich arbeitete zwölf Stunden pro Tag. Das ganze Ding war so persönlich, dass ich mich auf gewisse Art und Weise dumm fühlte und anfing, negative Gefühle zu bekommen, während ich es entwickelte. Am Ende entschied ich, das Spiel trotz dieser Gefühle fertigzustellen, weil ich wusste, ich würde damit einigen Menschen helfen.

© Youtube // www.redbulletin.com

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Spiel?

Das Spiel zeigt, wie es ist, „so“ zu sein. Dieses Bewusstsein zu schaffen, ist das Ziel. Das Spiel hat vier verschiedene Ausgänge und keiner davon ist besser als der andere. Ich denke, meine hauptsächliche Absicht war es, Leute in die Rolle von Menschen mit Depressionen zu stecken und am Ende Hilfe für jene anzubieten, die sie benötigen.

Was glauben Sie, wie das Spiel depressiven oder ängstlichen Menschen helfen kann?

Es hilft sowohl Menschen mit Depressionen als auch ihren Angehörigen. Leute erzählten mir, dass Rainy Day ihnen geholfen hat zu verstehen, wie sich ihre Freunde oder Partner wirklich fühlen – das Spiel sorgte für eine neue Art von Bewusstsein und Respekt. Es war ein Erlebnis der Empathie für sie. 

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