Robocar

Roborace - Die irre Rennserie ohne Fahrer

Text: Heri Irawan

Robocar, das erste selbstfahrende Rennauto der Welt, könnte eine neue Ära des Motorsports eröffnen.
Daniel Simon
Daniel Simon, 41

© Roborace Ltd / Daniel Simon LLC

Die Masterminds

Daniel Simon & Justin Cooke

Daniel Simon weiß, wie die Zukunft fährt. Der deutsche Automobil­designer schuf die Lichtrenner für „Tron: Legacy“ sowie das Bubble Ship in „Oblivion“ und war der ideale Mann, um mit Justin Cooke an einem neuen Kapitel in der Motorsportgeschichte zu arbeiten. Die Begegnung der ­beiden war die Geburtsstunde von Roborace.

roborace.com

Justin Cooke
Justin Cooke

THE RED BULLETIN: Was ist Roborace?

JUSTIN COOKE: „Der erste fahrerlose elektronische Rennwettbewerb der Welt. Die selbstfahrenden Rennwagen in der Größe von F1-Autos haben ­einen Nvidia-Drive-PX-2-Computer an Bord, der pro Sekunde Billionen von Recheneinheiten ausführt. Jedes Team muss ihn eigenständig programmieren. Wir geben ihnen allen ein weißes Blatt Papier, und ihr Code ist der einzige Wettbewerbsvorteil, den sie sich holen können. Es geht also nicht darum, wie viel Geld man in einen Windkanal investiert, sondern wer die findigsten Ingenieure hat.“

Also können die Autos denken?

JUSTIN: „Es gibt zwei Möglichkeiten. Du scannst die Strecke und fütterst die künstliche Intelligenz mit allen wichtigen Informationen. Oder du programmierst die Maschine, von allein zu lernen und nach jeder Runde besser zu werden, in jeder Kurve schlauer zu werden. Es hängt vom Team ab: Welche Kenntnisse bringt es mit? Was hat es technisch drauf?“

© YouTube // Roborace

Wenn nur Computerchips zerbröseln können, wird ­Racing dann extremer?

JUSTIN: „Auf jeden Fall! Bei der Beschleunigung und dem Fahrverhalten könnte man meinen, es handle sich um Benzinautos auf Steroiden. Über 300 km/h, unglaubliche Aerodynamik und keine Fahrer – das ist schon ein abgefahrenes Erlebnis. Bei diesem Speed wird es auch kostspielige Kollisionen geben, aber hey, that’s racing!“

Apropos unglaubliche Aerodynamik, wie sehr ist der Look auch eine Style-Frage?

DANIEL SIMON: „Es geht nicht bloß um ein technisches Kräftemessen, dafür würde niemand zahlen. Es muss emotional sein, obwohl wir die größte emotionale Komponente entfernt ­haben: Hamilton und Rosberg versohlen sich nicht mehr gegenseitig den Hintern. Die Intention war, etwas Schlankes und Schönes zu kreieren, das trotzdem unglaublichen Abtrieb und Fahrdynamik besitzt. Keine einfache Aufgabe für die Ingenieure, aber das Ergebnis ist so revolutionär wie einst der Mondrover.

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Wie werden sich die Autos weiterentwickeln?

JUSTIN: „Im Mittelpunkt steht unser Wunsch, die fahrerlose elektronische Technologie ständig weiterzuent­wickeln und populär zu machen. Also fragten wir uns: Was kommt im Rennen am spektakulärsten rüber? Das selbstfahrende Auto von Google machte Millionen von Meilen, klar, aber meist nur mit 18 km/h. Bei uns sind es 300 km/h – und die verändern ­alles! Wir haben zu Beginn viel von Vögeln und Fischen gelernt – was die Natur getan hat, um sie schnell und wendig zu machen. Wir hätten in allen unseren Entwürfen noch futuristischer sein können, aber wenn man es übertreibt, verwirrt das die Leute. Unser Ziel ist, den Menschen die Angst vor der ‚Roboterinvasion‘ zu nehmen. Ich glaube, die nächsten Jahre werden der Wahnsinn. Daniel hat dazu schon tolle Ideen.“

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09 2016 The Red Bulletin

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