Solar Impulse 2

Was du über die Solar Impulse 2 wissen musst

Illustration: HERI IRAWAN

Dieses Flugzeug gewinnt jeden Verbrauchstest: mit null Emissionen einmal um die Welt. The Red Bulletin blickt hinter die Kulissen eines Öko-Wunders…

Im Jahr 1999 flog der Aben­teurer Bertrand Piccard in einem Ballon erstmals nonstop um die Erde. „Jeden Tag hatte ich Angst, dass mir das Gas ausgeht. Ich dachte: ‚Als nächste Heraus­forderung muss ich ohne Treibstoff um die Welt.‘“

Gemeinsam mit dem Ingenieur und Piloten André Borschberg baute er die „Solar Impulse 2“ – ein Flugzeug, das im Juli eine 40.000-Kilometer-Umrundung der Erde mit Solarenergie schaffte – in 17 zumeist eintägigen Etappen.


FAKTEN:

  • Im Cockpit hat nur 1 Pilot Platz
  • Der (verstellbare) Sitz ist gleichzeitig die Toilette
  • Das Cockpit dient zusätzlich als Küche und Garderobe
  • Auf 9000 HM tankt das Flugzeug durch Sonnenlicht Energie 
  • In der Nacht wird die gespeicherte Energie angezapft
  • Die Spannweite der Solar Impulse 2 ist höher als die einer 747
  • Die Solar Impulse wiegt in etwa so viel wie ein Auto
André Borschberg, 63, and Bertrand Piccard, 58

Die Köpfe

André Borschberg, 63, und Bertrand Piccard, 58

© Solar Impulse | Ackermann | Rezo  

THE RED BULLETIN: Wie schwer ist der Bau ­eines Solar-Flugzeugs?

ANDRÉ BORSCHBERG: Die Luftfahrtindustrie meinte: unmöglich.

BERTRAND PICCARD: Niemand in der Luftfahrt war in der Lage, unsere Anforderungen an Größe und Gewicht der Kohlenstoff-Elemente der Solar Impulse zu erfüllen. Also gingen wir zu einer Werft, zu den Leuten, die den Alinghi-Katamaran für den America’s Cup bauten. Die Jungs wussten zwar nicht, wie man einen Flieger baut, aber sie verstanden Kohlenstoff. Unsere Ingenieure im Team mit dieser Firma: So gingen wir neue Wege bei Materialien und Konstruktion.

„Der Flieger wurde für höchste Energie­effzienz gebaut. Die Spannweite ist größer als die einer 747, das Gewicht nicht höher als das eines Autos.“
Comparison between the Solar Impulse 2 and the Boeing 747-8I

Im Vergleich: Solar Impulse 2 (72m), Boeing 747-8I (68.5m)

Wie ging’s der Batterie nach einer ganzen Tages­etappe? Vor allem morgens nach einem Nachtflug?

BORSCHBERG: Bei Sonnenaufgang waren wir am Limit, nur noch zehn Prozent Akku. Die längste Etappe dauerte fünf Tage und Nächte nonstop und startete in Japan. Nach zwei Monaten Warten in Japan passte das Wetter. Aber die Geräte, die das Flugzeug während meines Schlafs überwachen sollten, funktio­nierten nicht. Die Ingenieure wollten mich nicht starten lassen, ich tat es dennoch, denn das Wetter war entscheidend für den Erfolg. Sie drohten, das Projekt zu verlassen. Sie verstanden nicht, warum ich so viel riskierte. Es gab ziemlich dicke Luft.

© youtube // SOLAR IMPULSE

Shark Wheel: Das quadratische Rad

Nach 5500 Jahren behauptet ein Mann, das Rad, die größte Erfindung der Menschheit, verbessert zu haben - indem er sie zum Quadrat macht. Das ist Shark Wheel.

Kann der Flieger nonstop um die Erde fliegen?

BORSCHBERG: Theoretisch schon, aber praktisch wird es mit aktueller Technik eine ziemliche Challenge. Da ist auch das Problem des Piloten. Ich flog fünf Tage, maximal möglich wären sieben, für 20 müssen wir das Leben im Cockpit neu denken. Es ist nicht unmöglich.

Plus: Jeden Tag fliegen wir auf 9000 Meter, um die Solar­paneele zu laden, und jede Nacht gleiten wir nach unten, wir brauchen passendes Wetter. Über ein Viertel der Erde ist es machbar; über die ­gesamte Distanz wird’s schwer.

Aber es ist das Ziel?

BORSCHBERG: Zuerst möchte ich eine unbemannte Version bauen, die sechs Monate bei schlechtem Wetter fliegen kann. Sie soll die Arbeit ersetzen oder verbessern, die heute Satelliten machen. Bring den Flieger runter, wechsle das Equipment, schick ihn wieder rauf. Daran arbeiten wir.

PICCARD: Mein Ziel ist nicht ein ­dritter Flug um die Welt, sondern grüne Technologien mit dem Erfolg der Solar Impulse zu promoten. Ich bin Goodwill-Botschafter der Vereinten Nationen, ich versuche die Weltenergiepolitik zu beeinflussen. Das Limit ist nicht die Technologie, das Limit sind die Leute, die an das Alte glauben. Wir müssen diese Welt positiv verändern.

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11 2016 The Red Bulletin

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