Die besten Action-Fotos des Jahres 2016

Die besten Action-Fotos des Jahres

Text: Robert Sperl
Foto: Bartek Wolinski

So schön ist es abseits des Alltäglichen: The Red Bulletin präsentiert die Aufnahmen, die uns 2016 den Atem geraubt haben. Und die Geschichten, die dahinter stecken.
Staubzucker
Les Deux Alpes, Frankreich

„Im Sommer 2015 ­verbrachte ich einige Tage mit Freunden in einem Bikepark in den französischen Alpen. Die Bedingungen? ­Trocken, viel Staub, lockerer Schotter, ­super. Trotzdem gelang mir dieses Bild von Nick Pescetto, als der Bikepark einen Tag wegen Instand­setzungsarbeiten ­geschlossen war. Wir hatten eine Abkürzung ins Tal genommen und standen plötzlich auf dieser Baustelle einer Skipiste. Eine Straße, gebaut für Lastkraftwagen, mit 30 Zentimeter tiefem Staub! Es war wie eine Abfahrt im Pulverschnee – ihr hättet mich nachher sehen sollen.“

Gipfelsieg
Kilimandscharo, Tansania

„Diese Expedition hatte ich gemeinsam mit dem Kanadier Will Gadd über Jahre geplant: eine Klettertour auf dem höchsten Berg Afrikas, wo das Gletschereis aus Gründen der Erd­erwärmung so schnell verschwindet wie kaum anderswo. 

Dieses Foto entstand am Kibo-Krater nahe dem Gipfel. In knapp 5800 Meter Seehöhe war die Kletterei für Will ziemlich anstrengend – technisch und körperlich. Die klingen­scharfen Flossen waren zwar unglaublich schön, aber auch un­heimlich: Will wusste einfach nicht, wie ­stabil das Eis war.

Der Eisschutt am Fuß der Formationen war das erste Zeichen ihres nahenden Zusammenbruchs. Das machte unsere Reise insgesamt bedeutsam: Der Gletscher verschwindet langsam, aber unabwendbar – schon um das Jahr 2020 wird wahrscheinlich nichts mehr von seinem Eis übrig sein.“

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Skater marsch
Aquaventure Waterpark, Hotel The Palm, Dubai

„Jeder Skater, der schon einmal die Aquaconda-Wasserrutsche in Dubai live gesehen hat, hatte wohl spontan denselben Gedanken: Lasst mich das Wasser abdrehen und dann dieses völlig irre ­Labyrinth einmal mit meinem Board nach Herzenslust shredden. Leider ist der Waterpark echt beliebt und deswegen nonstop in Betrieb. 

Letzten Jänner wurde die Rutsche allerdings für drei Tage trockengelegt, um sie zu warten, und die Skater Alex Sorgente, Milton Martínez und Jan Hoffmann hatten die Möglichkeit, sich auszutoben. Für uns Fotografen bot sich eine einmalige Chance, ­Bilder zu schießen, die es in dieser Form im Skateboarding noch nicht gegeben hat.“

House Warming
BC One Cypher Event, Kapstadt, Südafrika

„Dieses Foto entstand am selben Tag, an dem ich in mein erstes Haus übersiedelte. Die BC One Cyphers in Südafrika waren bis dahin eher familiäre Veranstaltungen gewesen. Ich war sicher, Umzug und Shooting unter einen Hut zu ­bekommen. Als ich im Cape Town Stadium ankam, traf mich der Schlag: Irre Stimmung, die Halle gerammelt voll – es gab kaum ­Bewegungsfreiheit! Trotzdem erwischte ich B-Boy Toufeeq genau in dem Moment, in dem er mich ansah. Ich fing seine ganze Hingabe ein.“

Tunnelblick
Bundoran, Donegal, Irland

Cian Logue ist einer der tollsten irischen Surfer. An diesem Foto mit ihm, beim Ausführen eines so­genannten Backhand Barrel Ride, mag ich besonders die einzigartige Stimmung.

An diesem Tag war es dunkel und bewölkt, aber genau als ich abdrückte, brach ein Lichtstrahl durch ein Loch in den Wolken. Die Chance, die Belichtung richtig zu erwischen, stand trotzdem eins zu einer Million: Das Wasser reflektierte das Licht ziemlich stark, und die Sonne stand ungünstig.

Weshalb ich dieses Foto für richtig ge­lungen halte: Einen ­Moment bevor die Aufnahme entstand, bekommt Cian eine Welle ins Gesicht, und seine Haare hängen ihm in die Stirn, ­während er durch die Welle kreuzt. Damit ist alles in diesem Foto enthalten: das Können, der Mut und die Entschlossenheit des Athleten samt der Schönheit der Welle – alles in einem einmaligen Licht.“

Glatteis
Engelberg, Schweiz

„Diese Aufnahme ist mir bereits relativ früh in der letzten Saison gelungen.

Ich war mit meinen schwedischen Landsleuten Johan Jonsson und Henrik Windstedt unterwegs. Der Schnee war an diesem Tag nicht besonders, auch die Sicht war echt bescheiden, aber wir waren hochmotiviert und wollten etwas ausprobieren.

Unser Ziel war ein Eishang, der im Winter normalerweise tief verschneit ist. Damit das Foto spektakulär aussah, mussten Hendrik und Johan recht flott den Steilhand hinuntersausen. Auf dem blanken Eis entwickelte sich unsere Idee durch die Beschleunigung zu einer echten Mutprobe, aber Henrik und Johan haben es perfekt für mich hinbekommen.“

Schach dem Berg
Bogen über dem Getu-He-Fluss, Provinz Guizhou, China

„Der große Felsbogen über dem Fluss Getu He ist eine irre Laune der Natur: ein Tunnel durch ein Kalkmassiv, scharfkantiger Stein, die Decke 200 Meter über Grund. Auch wenn der Kalk mit seinen Löchern, Stegen und Vorsprüngen für Kletterer einladend wirkt, hat es bislang erst eine Handvoll von ­ihnen geschafft, den Bogen auszumanö­vrieren. Von der Decke hängend klettern, da ist jeder Zentimeter eine Eroberung. 

Feiern ist verboten, weil sonst die Konzentration für den nächsten Griff verlorengeht. Der erste Bezwinger des Bogens war der Spanier Dani Andrada. Ich habe hier den Brasilianer Felipe Camargo fotografiert, bei der Arbeit an einer neuen Route – und auch ich hing an einem Seil zwischen Himmel und Erde.“

Wetterleuchten
Lake Okeechobee, Clewiston, Florida

„Skydiving-Fotos sind immer eine Herausforderung, aber wenn ein Athlet wie Sean MacCormac dir sagt, dass du ihn diesmal durch Blitz und Donner verfolgen musst, ahnst du: Heute wird es richtig aufregend. Ich hatte als Fotograf bereits ­tausende Sprünge absolviert, aber niemals ­zuvor musste ich einen Springer und ein Gewitter gleichzeitig im Auge behalten.

Wenn dunkle Wolken aufziehen, ist für ­Skysurfer normalerweise auch Feierabend. Nur einer ist verrückt genug, bei so einem Wetter aus dem Flugzeug zu springen: Sean MacCormac. 

Wie sagt er so treffend: Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist weit kleiner als die Angst, die man davor hat.“

Mutprobe
Kleszczów, Polen

„Das Red Bull 111 ­Megawatt in Kleszczów ist eines meiner Lieblingsevents. Dort sind mir schon viele coole Fotos gelungen.

Dieses Jahr war es ähnlich: Mein Freund Łukasz Nazdraczew, Chef des Hard-Enduro-­Bewerbs, hatte mir ­einen guten Standplatz besorgt. Irgendwann näherte sich ein Pulk von Fahrern, und ich ahnte: Jetzt passiert etwas. Ich hatte mich nicht getäuscht, doch plötzlich wurde es ­gefährlich: Ich stand mitten in der Bahn und hatte nur noch die Wahl zwischen ­einem guten Foto und mich in Sicherheit zu bringen. Ich kam mir vor wie ein Kriegsberichterstatter auf dem Schlachtfeld.

Ich weiß nicht mehr, wann genau ich ab­gedrückt habe und wie mir diese Aufnahme geglückt ist. Ich wollte einfach nur überleben.“

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12 2016 The Red Bulletin

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