Sail to victory in a hollowed-out tree trunk

Fisherman’s Enemy: Segel-Abenteuer vor Tansania

Text: Eddy lawrence
Fotos: The Adventurists

Der Indische Ozean ist nicht immer besonders gut aufgelegt. Kaum jemand weiß das besser als die Einheimischen im Sansibar-Archipel, das zu Tansania gehört. Seit Jahrhunderten verwenden sie Fischerboote, die aus zusammengeschnürten, ausgehöhlten Mango-bäumen bestehen. Die Teilnehmer des Ngalawa Cup folgen ihren Spuren. Neun Tage und 800 Kilometer lang.​

„Halse? Vergiss es. Du kannst das Boot nicht drehen, nur wenden. Pass mit dem Paddel auf. Setzt du es zu hart ein, tauchen die Ausleger unter, und es wirft dich ins Wasser. Richtest du das Boot falsch aus, bläst dich der Wind über Bord.“

Wovon Dylan Delahunt hier spricht, das ist ein kleiner Auszug aus den Regeln für die Teilnehmer am Ngalawa Cup, der verrückten Segelregatta mit Fischerbooten im Sansibar-Archipel, einer Inselgruppe vor Tansanias Küste.

Der Name stammt von den Booten, die Einheimische „ngalawa“ nennen, ein etwa fünf Meter langer ausgehöhlter Mangobaumstamm mit einem Segel und zwei Auslegern. Eignet sich ideal für den Fischfang an der Küste – ist für die offene See aber denkbar ungeeignet.

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Ab dem ersten Renntag müssen die Crews in der Lage sein, die Strömung einzuschätzen, Riffe zu umsegeln, auf Sicht und per GPS zu navigieren und spontane Reparaturen auszuführen.

Genau das reizte Dylan Delahunt 2015, als er die Idee für die Regatta hatte. Die primitive Technologie sorgt für einen ausgeglichenen Wettkampf – Erfahrung mit Yachten hilft wenig.

Crew-Mitglieder müssen während der gesamten Fahrt auf den Auslegern stehen, um das Boot in Balance zu halten. Der geringe Tiefgang und das Fehlen von Flaschenzug und Rigg machen das Segeln selbst in den ruhigsten Gewässern zu körperlicher Schwerarbeit.

Dennoch kann am Cup so gut wie jeder teilnehmen. „Du musst nur schwimmen können“, sagt Delahunt. Und das obligatorische Training vor dem Rennen durchstehen. Wer das nicht schafft, muss einen Skipper anheuern.

Home help: local knowledge can keep you out of trouble

Die Einheimischen wissen, wie man ein Ngalawa flottkriegt

Denn ab dem ersten Renntag müssen die Crews in der Lage sein, die Strömung einzuschätzen, Riffe zu umsegeln, auf Sicht und per GPS zu navigieren und spontane Reparaturen auszuführen.

Wie gefährlich der Cup ist, weiß Delahunt seit dem allerersten Rennen. „Einer Crew knickten gleich zwei Masten an einem Tag. Eine andere kenterte, wir suchten sie sechs Stunden lang im Meer. Es war Nacht, wir fürchteten das Schlimmste. Aber als wir sie fanden und mit Scheinwerfern anleuchteten, sangen sie ,Always Look on the Bright Side of Life‘.“ 

Manche Crews segeln ihre eigene Route bis zum Ziel, andere ankern an schönen Plätzen, um zu schnorcheln.

„Eine Crew suchten wir sechs Stunden lang im Meer. Es war Nacht, wir fürchteten das Schlimmste, aber wir fanden sie.“
Dylan Delahunt, Ngalawa-Cup-Initiator
Not plain sailing: swells can reach 6m in winds of 30 knots

Surferfahrung hilft bei mächtigen Wellen und Wind mit 30 Knoten.

Insider-Tip
„Lass dir von Einheimischen helfen“, sagt Delahunt. „Sie sind am Meer aufgewachsen und kennen sich aus. Sie zeigen dir die nächste Insel, das nächste Riff, die besten Routen. Menschen in modernen Gesellschaften haben so was nie gelernt.“

Die einzige Regel: Vor Sonnenuntergang muss man die Küste oder eine Insel erreichen und bleiben, wo man ist. 

Beim Rennen 2016 blieb die Crew „Usain Boat“ in Erinnerung. „Die Jungs gingen in Sansibar in eine Bar, bestellten zwei Bier und ein Huhn und kamen tatsächlich mit zwei Bier und einer lebenden Henne in der Tasche zurück. Usain Boat segelte schließlich einen Tag lang mit der Henne an Bord.“

Das Happy End blieb aus: Hinterher ließen sie sich das Hähnchen vom Lagerfeuer schmecken.

SCHIFF AHOI
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02 2017 The Red Bulletin

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