Los Angeles: Party-Tipps von Insidern

Los Angeles erwacht:
Party-Tipps von Insidern

Text: Bailey Pennick   
Fotos: Carlo Cruz/Red Bull Content Pool (oben), Miko Lim (unten)

Mega-DJs, Partys in Lagerhallen und kultige Retro-Bars – willkommen im neuen Nachtleben von Los Angeles.

New York gilt als die Stadt, die niemals schläft. Diesen ­Titel will ihr nun eine Stadt im Westen der USA streitig machen: Los Angeles. Die Metropole hat ebenso viele­ ­Facetten, Geschichten und Gesichter wie die Drehbücher, die hier Tag für Tag verfilmt werden. Gerade seine Vielfalt macht L. A. so aufregend. Du willst die Nacht durchfeiern? Ab nach Koreatown. Oder dich neben Wolkenkratzern wie eine Ameise fühlen? Dann ab in die Innenstadt. Lust auf Sand zwischen den Zehen und eine Meeresbrise im Haar? Strände gibt es hier genug. 

Die Landschaft ist weitläufig, die Leute leben wie in einem Drang, sich ständig neu zu erfinden, wodurch L. A. grenzenlos wirkt. Das mag inspirieren oder einschüchtern, das mag für jeden, der hier lebt, auf Dauer ein Belastungstest für Körper und Geist sein. Aber ein Besuch lohnt sich allemal. Du wirst garantiert eine Community finden, die dich mit offenen Armen und einem starken Drink empfängt.

The Red Bulletin sprach mit Pionieren des frisch erwachten Nachtlebens darüber, was Los Angeles gerade derzeit so elektrisierend macht.

„Ein reges Nachtleben, schöne Strände, aufregende Geschichten und eine weitläufige Landschaft lassen Los Angeles grenzenlos wirken.”
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Craft Beer im Herzen von K-Town
Jimmy Han
JIMMY HAN

Der Bierkönig von Koreatown

Jimmy Han, geboren und aufgewachsen in L. A., eröffnete Beer Belly im Jahr 2011. Bei ihm gibt es Craft Beer und verführerische Happen.

„Koreatown war immer eine eigene kleine Blase“, sagt Jimmy Han. „Seit unserer Eröffnung vor fünf Jahren entdecken aber immer mehr Leute Koreatown, die gar keine ­Koreaner sind.“ Das Viertel liegt günstig zwischen Innenstadt, Hollywood und Beverly Hills und wurde zu einem Zentrum des Nachtlebens von L. A. Im Herzen von K-Town befindet sich Beer Belly, Jimmy Hans bewusst unkoreanisches Lokal, in dem Craft Beer zu erstklassigen Happen serviert wird. 

„Mir war ­immer am wichtigsten, dass wir unverwechselbar sind“, sagt Han. Er ist einer der vielen, die Koreatown für Nachtschwärmer zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten machen. „Das Angebot wird immer vielfältiger“, sagt er. „Neue Restaurants, Geheimtipps wie Karaokebars oder Spas, die 24 Stunden offen haben. K-Town entwickelt sich ständig. Das ist vor allem der Atmosphäre des Viertels zu verdanken, der Kultur, der Community; alles ist eng hier, viele Betreiber haben Schanklizenzen. Sogar 2008, als der Markt zusammenbrach und sich die Geschäftsleute um die ­Zukunft sorgten, ging es weiter. Die Leute gehen immer essen und trinken, auch wenn die Zeiten nicht so rosig sind.“

Wo ist die nächste Party? 
Brownies and lemonade
Brownies and lemonadE

Die Profi-Draufgänger  

Jose Guzman (mit Hut) und Kushan Fernando (mit ­Kappe) starteten mit wilden House-Partys an der UCLA. browniesandlemonade.com

Zwei- bis dreimal pro Woche präsentiert die Partycrew Brownies and Lemonade Acts, von denen du in Zukunft bei jeder Cocktailparty erzählen wirst. „L. A. ist einer der wenigen Orte, an denen Musik ­gedeiht. Weil die Leute ständig nach etwas Neuem suchen“, sagt Kushan Fernando. Während seiner Studienzeit an der UCLA gründete er Brownies and Lemonade gemeinsam mit seinem Mitbewohner Jose Guzman.

„Los Angeles ist der Ort, an dem die Menschen alles entdecken können!“ 

„Jeder will die neuesten und coolsten Sachen aus der Welt der Musik, der Mode und sogar der Elektronik haben. Los Angeles ist der Ort, an dem die Menschen all das und noch viel mehr entdecken können!“ 

Fernando klingt wie ein stolzer Vater, als er einige Künstler nennt, die er mit seiner Crew bereits als Headliner präsentierte. Er zählt Namen wie Lido, Jai Wolf und Louis the Child genauso begeistert auf – wenn nicht sogar begeisterter – wie Skrillex oder DJ Quik

„Wir ­begannen, regelmäßig und gezielt nach Künstlern zu suchen, die groß im Kommen sind oder mit ­innovativem Sound überzeugen können“, sagt Fernando. „Es liegt uns sehr am Herzen, innovative Künstler nach L. A. zu bringen, ­damit sie hier performen.“

Von A nach B in L. A.
Transportmöglichkeiten

U-BAHN: Eine einfache Fahrt vom Strand in die Innenstadt kostet mit einer TAP-Card umgerechnet 1,65 Euro, inklusive Umstieg auf andere Linien.

Rideshare: Die gleiche ­Strecke kostet mit einer Mitfahr-App 19 bis 28 Euro. 

Auto: Vom Strand bis in die Innenstadt sind es etwa 25 ­Kilometer; für Benzin zahlst du rund 1,90 Euro, fürs Parken jedoch mindestens 9,40 Euro zu Spitzenzeiten.

Nie war man in L. A. lieber hungrig - Die Gastro-Szene boomt
Eine (viel zu) kleine Auswahl der Must-eat-Plätze

Parks Barbeque, Koreatown: der Klassiker unter den vielen koreanischen BBQ-Restaurants. Allein schon die als „Banchan“ servierten Beilagen sind besser als die Steaks in deinem bisherigen Lieblingslokal.
 
Bestia, Innenstadt: Wird von einem israelischen Küchenchef und seiner Frau, einer ­Bäckerin, geführt. Bietet ­moderne Varianten von rustikalen italienischen Gerichten.
 
Barbrix, Silver Lake: Genieß spanische Tapas im Hipster-Viertel von Ost-L. A. Liegt abseits der Straße, angenehm entspannte Atmosphäre.

The Musso & Frank Grill, Hollywood: Kult-Restaurant, in dem sich Hollywoodstars seit fast 100 Jahren saftige Steaks und geschüttelte Martinis servieren lassen. Das Ambiente hat sich bis heute kaum verändert – genau deswegen ein absoluter Pflichtbesuch.

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Die besten ­Partys gibt’s im Underground
Dig Deeper
Dig Deeper, Masha Martinovic

Locker bleiben

Keine Genehmigung? Keine Security-Leute? Alles kein Problem für die 26-jährige Masha Martinovic: „Es könnte ja unsere letzte Party sein.“ Facebook/DigDeeperLA

Hinter einigen der geilsten Underground-Partys, die die Stadt der Engel je erlebt hat, stecken ­Masha Martinovic­ (Bild) und Alison Swing. Gemeinsam sind sie das DJ-, Produzenten- und Veranstalter-Duo Dig Deeper

Ihr Erfolgsgeheimnis? Feine Ohren und das gewisse ­Gespür. Als den beiden die Hollywood-Megaclubs zu eintönig ­wurden, schmissen sie Partys in Privathäusern oder alten Lager­hallen. Ein wachsendes Kuratoren-Netzwerk verbreitete schließlich die Musikästhetik von Dig Deeper. 

„Die Underground-Szene, der wir angehören, entwickelte sich in den letzten Jahren rasant“, sagt Martinovic. „Du musst nicht nach Berlin oder sonst wohin in Europa reisen, um die besten DJs zu sehen, denn wir bringen sie hierher.“

LA Nightlife I Dig Deeper, a playlist by Red Bull Playlists on Spotify

LA based house duo Dig Deeper are Masha Martinovic and Alison Swing. With their DJ, production and promotion activities they are part of a new wave of sensible underground artists electrifying LA's night life right now. Read more in The Red Bulletin.

Bowlen wie anno 1927
Bobby Green
Bobby Green

Held von gestern

Seit gut 17 Jahren verwandeln Bobby Green und die „1933 Group“ alte L. A.‑Bauten in aufregende Bars, indem sie deren Retro-Charme bewahrt. highlandparkbowl.com

Bobby Green schickt seine Kunden gerne auf Zeitreise. Gemeinsam mit seinen Partnern Dmitry Liberman und Dimitri Komarov führt er unter dem Markennamen „1933 Group“ nostalgisch eingerichtete Bars, die den Besucher Jahrzehnte zurückversetzen. 

„Es ist wie Disneyland“, sagt Green. „Wer ist nicht begeistert, wenn er in vergangene Welten und Epochen eintaucht?“

„Es ist wie Disneyland. Wer ist nicht begeistert, wenn er in vergangene Welten und Epochen eintaucht?“

Green, nach eigener Einschätzung hoffnungsloser Nostalgiker, brachte seine Expertise zuletzt auch bei der Renovierung vieler alter Gebäude in L. A. ein. „Das ist extrem wichtig“, sagt er mit ernster Miene, obwohl er sonst eher ausgelassen wirkt. „Es frustriert mich, dass manche wundervollen Bauten abgerissen wurden. Darum freut es mich enorm, dass nun einige gerettet werden konnten. Es wurde Mode, historische Gebäude und andere alte Dinge zu erhalten.“ 

Teil seiner Mission ist seine jüngste Kreation: das Highland Park Bowl. Hier bowlt man auf einer renovierten Bowlingbahn des Jahres 1927 aus gebeiztem Holz und macht es sich auf Ledersofas gemütlich. Green weiß, dass auch die anderen Bars in L. A. ihr Angebot erweitern müssen, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein: „Biete für die Nachbarschaft einen Lieferservice an. Die Leute werden immer wieder kommen, aber sie werden nicht immer kommen. Und du musst Teil deines Viertels sein.“

Schwulenbars rocken!
LINA LECARO
LINA LECARO

Die Arbeit der Nacht

„LA Weekly“-Kolumnistin Lina Lecaro ist seit den Neunzigern Nachtschwärmerin von Beruf: „Ich versuche nicht, meine Erfahrungen zu verbergen.“ laweekly.com

Am besten schreibt man über jene Partys, die man standesgemäß mitgefeiert hat. An dieses Prinzip hält sich Lina Lecaro schon seit den 1990ern. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich die begehrtesten Einladungen der Stadt. Als Berufs-Nachtschwärmerin von „LA Weekly“ war Lecaro eine der Ersten, die den Aufstieg der DJs in Los Angeles miterlebten.

„Ich habe großen Respekt vor Leuten, die gut mit Musik umgehen können“, sagt sie. „Der Einfluss der DJs hat das Nachtleben in L. A. verändert, die gesamte Musik ist jetzt anders, nicht nur EDM oder Hip-Hop.“ Herkömmliche Nachtclubs verlieren an Boden. 

„bei der heutigen Politik brauchen wir erst recht wütende, aggressive Musik!“

„Ich gehe immer weniger in Hollywood-artige Clubs“, sagt Los Angeles’ Königin der Nacht. „Das ist einfach nicht so lebendig und abwechslungsreich, wie eine ganz neue Band zu erleben oder etwa in eine Schwulenbar zu gehen.“

Und welche Musik, glaubt Lecaro, wird in den nächsten Jahren die Welt erobern? „Ich würde mich freuen, wenn der raue Cock Rock zurückkäme“, sagt sie breit grinsend. „L. A. war einmal genauso pulsierend wie New York in den frühen Punk-Jahren … und bei der heutigen Politik brauchen wir erst recht wütende, aggressive Musik!“

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02 2017 The Red Bulletin

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