Rachel Moore

Rachel Moore: Ein Model segelt um die Welt

Text: Noah Davis

Früher Biologin, dann Model, jetzt Weltreisende: Rachel Moore tauscht ihre Stilettos für ein schlichtes Leben am Boot ein.

Rachel Moore lebt auf einem 39m langen Segelboot mit ihrem Ehemann Josh. Sie geht an ihr Handy ran, während sie gerade das Deck für ihre größte Reise renoviert und vorbereitet: Sie möchte 5 Jahre lang die Welt umrunden. Dieser Trip ist ihr größter Traum und der Erfüllung davon kommt sie jeden Tag näher. „Wir lieben die Vorstellung, so lange wegfahren zu können. Vielleicht kommen wir ja nicht mehr zurück”, erzählt sie uns. 

Das Model, und ehemalige Biologin, ist eine zertifizierte Taucherin, Kletterin und Abenteurerin – und modelt für Marken wie Bebe, Guess und Levis. Ihr glamouröses Leben tauscht sie nun ein gegen ein schlichtes, solarbetriebenes ein.

In einem Interview mit Rachel sprechen wir über ihren Plan, ihre Zukunft auf hoher See zu verbringen.

THE RED BULLETIN: Sie und Ihr Mann haben das Boot schon seit ein paar Jahren. Wie lange mussten Sie sich auf eine Reise wie diese vorbereiten?

RACHEL MOORE: Wir haben bis jetzt daran gefeilt. Wir wollen ja fünf Jahre lang unterwegs sein. Deswegen wollen wir, solange wir noch hier in den USA sind, es ausnutzen, dass die Materialien billiger sind und uns bestmöglich auf alles vorbereiten. Das Deck müsste wahrscheinlich noch drei Jahre lang nicht renoviert werden, aber wenn wir schon mal hier sind, machen wir das lieber jetzt. Wir haben eine neue Solarzelle hinzugefügt, das hat etwa zwei Tage gedauert. Jetzt haben wir fünf, da wir absolut unabhängig leben wollen, während wir unterwegs sind. Wir müssen den Motor für etwa eine Woche nicht starten, und wir haben den Kühlschrank neu isoliert, damit er effizienter ist. Auch das Sanitärsystem haben wir neu gemacht, damit wir uns keine Sorgen machen müssen, dass es inmitten des Ozeans zusammenbricht. Das war keine lustige Arbeit.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Wieso wollten Sie so lange weg? 

rachel Moore

Rachel musste drei Jobs die Woche machen, um so viel Geld zu verdienen, wie sie es später als Model an einem Tag tat.

© KHOA BUI

Wir sind bisher immer nur zwei Monate unterwegs gewesen und das schien uns nie genug zu sein. Wir lieben die Vorstellung, so lange wegfahren zu können. Vielleicht kommen wir ja nicht mehr zurück und sagen: “Hey, lasst uns nach Neuseeland gehen und ein Jahr dort arbeiten, bevor wir weiterziehen”. Es gibt so vieles in der Welt zu sehen und wir haben ein großes Verlangen, so viel wie möglich zu entdecken. Wir hassen es, schnell herumzureisen. Ein Segelboot ist das perfekte Reisemittel – du kannst bleiben, wo und so lange du willst, dein Haus hast du immer mit dabei. Für uns ist diese Art zu leben sehr reizvoll. Es ist mehr ein Lebensstil, als nur eine Reise.

Haben Sie Menschen getroffen, die eine ähnliche Einstellung haben und mit einem Boot die Welt erkunden?

Es gibt nicht so viele, die so jung sind wie wir. Meine Schwiegereltern haben drei Jahre lang auf einem Segelboot in Mexiko gelebt, und viele Pensionisten machen das auch. Aber es gibt immer mehr Jüngere, die ein einfacheres Leben führen wollen. Manche von ihren Geschichten haben wir online verfolgt. Dennoch leben wir seit einem Jahr in diesem Hafen und niemand plant, für längere Zeit fortzufahren.

Der Kontrast zwischen dem eher simplen Leben auf dem Boot und dem Lifestyles eines Models ist doch sehr groß. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin nicht gerade in Wohlstand aufgewachsen. Ich hatte ein Paar Schuhe für das Schuljahr, bin aber so schnell gewachsen, dass mir meine Kleidung ständig zu klein wurde. Später habe ich Biologie studiert und auf einem Boot gearbeitet. Außerdem bin ich für den National Park Service getaucht. Ich war es gewohnt, eine Woche lang auf einem Boot zu leben. Nach einer Budgetkürzung ging auch mein Job verloren, danach ist das Modeln irgendwie einfach so passiert. Es war wirklich total seltsam, erst drei Jobs auf einmal zu haben, um die Rechnungen zu bezahlen, und dann auf einmal das gleiche Geld an einem Tag zu verdienen. Ich war überwältigt, aber froh, dass ich den Wert des Dollars zuvor schätzen lernen konnte. Die letzten paar Jahre bin ich dann immer mehr verreist. Ich habe in 5-Sterne-Hotels gewohnt und konnte einfach nicht schlafen. Zumeist habe ich meine Decken zusammengerollt und am Boden geschlafen. Wenn ich campen gehe, dann schlafe ich unglaublich gut neben den Bergen. Das hat mir gezeigt, dass mein Leben sich nicht um das Modeln und Kleidung dreht, das war lediglich ein Mittel zum Zweck.

„Ich bin nicht gerade in Wohlstand aufgewachsen. Ich hatte ein Paar Schuhe für das Schuljahr.“
Rachel Moore
rachel moore

Vergiss 5-Sterne-Hotels! Alles, was Rachel braucht, ist ein Zelt neben den Bergen.

© Willie Kessel

rachel Moore

Das Reisen ist mehr als nur ein Hobby für Rachel – es ist ein Lebensstil.

© KYLE SPARKS

 

Wenn der Plan aufgeht und Sie wirklich fünf Jahre unterwegs sind – haben Sie darüber nachgedacht, was Sie nach Ihrer Rückkehr tun werden?

Ich würde total gern wieder als Biologin arbeiten. Mein ehemaliger Chef ist gerade auf den Galapagos-Inseln, wo er ein Projekt betreut. Mein Ziel ist es, dorthin zu fahren und zwei oder drei Monate Freiwilligenarbeit zu leisten. Nachdem ich nun sechs Jahre lang gemodelt habe, und dann fünf herumreisen werde, wird es recht schwer sein, einen Job in der Biologen-Welt zu bekommen. Darum werden wir am Weg auch Verbindungen zu verschiedenen Organisationen aufbauen und auch schon Daten für sie sammeln. 

Wann geht es los?

Im November. Wir wollten eigentlich schon letztes Jahr loslegen, aber El Niño fegt das Wetter total um. Falls wir also fünf Jahre lang weg sein sollten, ist es besser, dieses Jahr noch zu bleiben, unter anderem auch, weil meine Model-Karriere immer besser läuft. Es macht noch keinen Sinn, sich vom Geld abzuwenden, vor allem wenn die Stürme so stark sind. Also werden wir im November starten – und kurz danach hoffentlich die Grenze überqueren.

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10 2016 The Red Bulletin

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