Ernie Andrus

Die unglaubliche Story von einem 93-Jährigen, der die USA im Laufschritt durchquerte

Foto: Flickr/Rockin’Rita

In weniger als drei Jahren lief Ernie Andrus von Küste zu Küste der USA. Jede Woche zwischen 20 und 40 Kilometer. Der Grund: ein altes Schiff.

Hunderte Menschen hatten ihn schon erwartet. Als Ernie Andrus Ende August 2016 in St. Simons Island im US-Bundesstaat Georgia ankam, war der Jubel riesig. Eine Blaskapelle spielte ihm zu Ehren und seine Fans trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Run. Ernie. Run.

Fast drei Jahre unterwegs

Die Laufstrecke von Ernie Andrus

Denn Andrus hatte im hohen Alter von 93 Jahren etwas schier Unglaubliches geschafft: Er war innerhalb von zwei Jahren und zehn Monaten quer durch die USA gelaufen, von Küste zu Küste, von San Diego in Kalifornien, wo er im Oktober 2013 gestartet war, bis auf die kleine Insel im Atlantik.

Der Veteran, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte, ist damit der älteste Mensch, der diesen Trip erfolgreich absolviert hat. Und das mit Abstand. Der bisherige Rekord lag bei 73 Jahren. Jede Woche ist er an drei Tagen gelaufen, jeweils eine Distanz zwischen 20 und 40 Kilometern, also einen Halbmarathon oder sogar einen ganzen Marathon. Immer wieder begleiteten ihn Fans auf Teilstrecken. Am Ende hatte Andrus über 4000 Kilometer in den Beinen.

Ich bin die ganze Zeit gelaufen, nie zwischendurch gegangen.“ 
Das war ihm wichtig.

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Plötzlich war er Witwer

Vor seiner Tortur hatte sich der Veteran von all seinen Besitztümern getrennt, sogar sein Haus in Kalifornien hatte er verkauft, um sich den Drei-Jahres-Trip auch leisten zu können. Der Anfang war hart, denn nur drei Wochen nach dem Start verstarb seine Frau Susan. Doch das hielt ihn nicht davon ab, weiter zu rennen. 

Denn Andrus hatte noch ein ganz spezielles Anliegen: Im Zweiten Weltkrieg diente er als Sanitäter auf einem Panzerlandungsschiff, das den Alliierten in der Normandie half. Deshalb wollte er auf seiner Reise Geld sammeln, damit ein baugleiches Schiff im Juni 2014, zum 70. Jahrestag des D-Day, restauriert werden und dort anlegen könne. Die Überfahrt kam nicht zustande, da die Bemühungen des Veteranen nicht genug einbrachten. Nun soll das heutige Museumsschiff zu den Feierlichkeiten des 75. Jahrestags 2019 übersetzen.

Ich wollte mit meinem Lauf bewirken, dass den Leuten bewusst wird, was so ein Krieg bedeutet und was wir auf uns nehmen mussten, ihn zu gewinnen“, sagte Andrus, der nach seiner Ankunft zum Ehrenbürger von Georgia erklärt wurde.

Jetzt geht´s nach Alaska

Wer glaubt, Andrus werde nach dieser Anstrengung seinen verdienten Lebensabend nun gemütlich angehen, hat sich getäuscht. Der Plan für den nächsten Trip steht schon: Nun will er nach Alaska, wo seine Stieftochter lebt. Allerdings nicht im Laufschritt, sondern etwas gemütlicher mit seinem Wohnmobil.

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09 2016 The Red Bulletin

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