Lisa Zimmermann

Lisa Zimmermann: Spaß als Schlüssel zum Erfolg

Text: Reiner Kapeller
Foto: Gregor Kuntscher

Lisa Zimmermann ist Slopestyle-Weltmeisterin. Ihr Erfolgsrezept? Kein Gym, kein Trainingsplan, kein Stress. Sie geht lieber surfen.

Lisa Zimmermann, 20, Nürnbergerin, war als Kind Eiskunstläuferin, begann als Vierzehnjährige mit dem Skifahren, stand mit sechzehn als ­erste Frau in der ­Geschichte ihres Sports den Double Cork 1260, mit achtzehn wurde sie Weltmeisterin im Slopestyle, nun, mit 20, hat sie mit der Goldmedaille bei den X Games in Aspen/Colorado im Big Air ihren bisherigen Karriere-Höhepunkt erreicht. 

Was sie tut, um besser zu werden? Spaß haben, sagt sie. Und nur ja nicht zu viel Ski fahren.

Anna Gasser: Heiße Fotos, coole Nerven

Was man dazu wissen muss: Anna hatte sich zuvor die Hand gebrochen und alle Sehnen und Bänder gerissen. Sie war mit einem Gips am Start, obwohl ihr die Ärzte davon abgeraten hatten. „Im Training bin ich gestürzt und voll auf die verletzte Hand geknallt.

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THE RED BULLETIN: Du trainierst nicht? Wirklich?

LISA ZIMMERMANN: Nicht im herkömmlichen Sinn. Ich mache Yoga, Stretching, Eisbaden und andere Sachen, die mich fit halten, die mir Spaß machen, die ich genauso machen würde, wäre ich keine Skifahrerin. 

Keine harten Stunden im Gym, keine Grundlagenausdauer auf dem Ergometer?

Gym hab ich probiert, aber ich habe nicht gespürt, dass es mich weiterbringt. Und das letzte Mal laufen war ich vor eineinhalb Jahren, ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern. Mir ist schon klar, dass viele einen anderen Weg gehen, mit Coaches trainieren, ein Programm abspulen. Das ist natürlich ein Weg, der zum Erfolg führen kann, aber es ist ein harter Weg. Mein Weg ist einfacher und macht vor ­allem sehr viel mehr Spaß.

Lisa Zimmermann steht den Double Cork 1260 und schreibt damit Geschichte.

© Youtube // Nine Knights

Was machst du an einem Tag, an dem deine Konkurrentinnen trainieren?

Eben die Dinge, die ich vorhin aufgezählt habe. Oder ich hänge einfach am Berg mit Freunden ab, mache Witze, höre Musik, genieße den Tag.

Wie wird man mit Yoga, Abhängen, Witzen und Musik Weltmeisterin?

Das ist mein Weg, in den Flow zu kommen. Und dieser Flow-Zustand ist für mich das Wichtigste. Ich nenne ihn meine Spaßzone. Im Flow probiere ich Sachen, die ich noch nie gemacht habe, einfach weil ich Bock drauf habe. Da gelingt mir alles, da stehe ich richtig heftige Tricks gleich beim ersten Mal. So werde ich besser. Und ich habe gelernt: Nur so werde ich besser.

Diese Spaßzone ist sozu­sagen dein Gym?

Sozusagen, ja. Dann blödle ich auch nicht mehr rum. Wenn man einmal in diesem Flow ist, darf man sich nicht unter­brechen lassen. Man muss dem alles unterordnen und jede Sekunde in diesem Zustand auskosten. Es gibt dann keine Pause, da wird durchgefahren bis in den Abend.

Ich möchte auch besser ­werden, indem ich einfach das tue, was mir Spaß macht. Verrat mir, wie ich das am besten anstelle.

Wenn du dich auf dich selbst konzentrierst, bist du schon auf einem ganz guten Weg. Das große Problem der meisten Leute ist ja, dass sie Energie mit Gedanken daran verschwenden, was andere über sie denken könnten. Lass diese Gedanken los, genauso wie irgendeine abstrakte Erfolgsvorstellung. Ich mache, was ich mache, nicht wegen des Fame. Ich genieße es einfach, mit Freunden am Berg zu sein. Alles, was dann passiert, die Contests, die Medien, Sponsoring … das nehme ich mit.

fast laps at @stubaizoo today ☀️⛷💨 #mymuesli #primeparksessions 📷 @laura_fritzenwallner

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Das ganze organisatorische Drumherum einer professio­nellen Sportkarriere, wie gehst du damit um?

Das ist nicht immer Spaßzone. Klar. Aber ich mache es ja für mich. Und ich mache es, weil es mir ermöglicht, das zu tun, was mir Spaß macht. Also ist das schon okay.

Könnte es nicht sein, dass du gar nicht deswegen erfolgreich bist, weil du nichts trainierst, sondern obwohl du nichts trainierst? Ich vermute mal, würdest du normal trainieren, könntest du noch mehr erreichen.

Ich hab das einmal gemacht, das volle Programm, Coaches, harte Arbeit, im Sommer Skifahren. Das war die Zeit um Sotschi (Olympia 2014; Anm.). Es war die schlechteste Saison, die ich je hatte. Ich weiß, dass dieser Weg bei mir nicht funktioniert. Ich war damals sogar an einem Punkt, an dem ich mich ernsthaft gefragt habe, ob ich das Skifahren nicht einfach lassen soll.

X Games Aspen 2017

Seht hier noch einmal das komplette Big Air Finale und/oder Lisas Runs an: First Run bei 6:20 Minuten: Switch 900° Tailgrab // Second Run 13:42 Minuten: 900° Truck Driver // Third Run 18:44 Minuten: Switch Double Cork 1080°

© Youtube // X Aspen

Was hast du dann getan?

Den Sommer über sechs Monate am Strand gechillt. Gesurft. Da hatte ich weißes Haar, weil ich so viel an der Sonne war. Danach schwor ich mir, dass ich nie mehr zu viel am Berg sein, dass ich nie mehr zu viel Ski fahren würde.

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03 2017 The Red Bulletin

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