Freeskier Fabian Lentsch über seine Reise durch den vorderen Orient

Fabian Lentsch und Elf Tonnen Freiheit

Text: Andreas Rottenschlager
Foto: Elias Holzknecht/NINE&ONE

Freeskier Fabian Lentsch fuhr vier Monate in einem alten Feuerwehrauto durch die Gebirge des ­Nahen und Mittleren Ostens. Er hat einiges zu erzählen über den Schnee im Vorderen Orient.

Im 1985er-Mercedes Richtung Iran - über diese spannende, 26.000 Kilometer lange Reise erzählen Freeskier Fabian Lentsch und seine Crew nun im Film „Snowmads - A Journey Towards Eastern Suns“.

Erfahre hier unter anderem …

  • welche Hindernisse zu überwinden waren
  • welche Ziele die Crew mit der Reise verfolgte
  • wie man das Reisen wirklich genießen kann
  • welche Abenteuer die Crew noch erlebt hat

© youtube // Red Bull

„La Liste": Freeride-Spektakel mit Jérémie Heitz

Hart. Schmal. Lang Mit normalem Material ­wären die Hänge, die ­Jérémie sich aussucht, nicht befahrbar. „Vor zehn Jahren hätte das noch nicht funktioniert." Sein Skiausrüster Scott hat für ihn extra-harte, längere Freeride-Ski angefertigt, von denen Jérémie pro Jahr an die sechs Paar verschleißt.

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Die erste Panne passiert kurz vor zwei Uhr früh auf einem Bergpass im Osten der Türkei, als sich die Hinterräder des Trucks in den Schnee eingraben. Fabian Lentsch und seine sechs Mitreisenden stecken fest. Die Nacht ist stockfinster, das nächste Dorf 20 Kilometer entfernt.

Lentsch klettert aus der Fahrerkabine. Er versinkt bis zu den Knien im Schnee. Weiße Flocken wirbeln durch den Licht­kegel seiner Stirnlampe. Mit einer Lawinenschaufel in der Hand stapft er Schritt für Schritt Richtung Heck.

Fabian Lentsch, Snowmads

Im 1985er-Mercedes Richtung Iran: Fabian Lentsch (re.) und seine Crew trotzen einem Schneesturm in den türkischen Bergen.

© Elias Holzknecht/NINE&ONE

Gemeinsam mit zwei seiner Freunde beginnt er, die Hinterräder freizuschaufeln und Schneeketten um die Reifen zu legen. Vierzig Minuten lang zerren sie an den Verschlüssen.

Als sich Lentsch zurück auf den Fahrersitz hievt, hat er das T-Shirt unter seiner Thermojacke trotz der Minusgrade nassgeschwitzt. Er dreht den Zündschlüssel um und steigt vorsichtig auf das Gaspedal. Mit gutmütigem Brummen hebt sich der 11-Tonnen-Truck aus der Schneemulde.

Im Cockpit jubeln Lentschs Freunde. Die Crew hat ­ihren ersten Härtetest bestanden.

Snowmads Streckenkarte

Der Weg der Schneenomaden: Fabian Lentschs LKW-Route in den Iran

Für seinen bisher längsten Roadtrip fuhr der Tiroler Free­skier Fabian Lentsch von Jahresbeginn bis Anfang Mai mehr als 26.000 Kilometer durch den Nahen und Mittleren Osten. Der Film „Snowmads – A Journey Towards Eastern Suns“ erzählt die Geschichte seiner Reise.

„Wir suchten unentdeckte Lines“, sagt Lentsch. „Aber noch wichtiger war es, in die ­Kultur der Gastländer einzutauchen und spontan zu sein.“ 

Das Wichtigste Ziel der Reise? „In die ­Kultur der Gastländer einzutauchen und spontan zu sein.“
Snowmads-Free­skier Roman Rohrmoser am Goderdzi-Pass, Georgien

Tausende Straßen­kilometer für eine Traum-Abfahrt: Snowmads-Free­skier Roman Rohrmoser am Goderdzi-Pass, Georgien

© Jonas Blum/NINE&ONE/Red Bull Content Pool

Fabian Lentsch

© Carlos Blanchard/NINE&ONE

Seinen Startplatz auf der Freeride World Tour tauschte Lentsch 2015 gegen ein Leben als Abenteurer. Warum er die Chance ausgeschlagen hat, in der Weltelite mitzufahren?

„Auf der Tour triffst du immer dieselben Leute, fährst nur die offiziellen Hänge und verbringst erstaunlich viel Zeit in Meetings.“ 

Für ihre größte Reise bauten Lentsch und sein Team ein ehemaliges Feuerwehrauto in ein Wohnmobil für sieben ­Personen um.

Auf dem Dach des Mercedes-Benz LAF 1113, Baujahr 1985, 170 PS, montierten sie Solarpaneele. Ein Holzofen im Innenraum heizt den Truck selbst bei klirrenden ­Außentemperaturen wie eine Sauna.

Nach der Schneeketten-Prüfung in der Osttürkei kämpft sich die Snowmads-Crew durch Armeniens Backcountry, hält an georgischen Gletschern und erreicht die Viertausender des Iran. 

Lentsch sagt, um Reisen zu genießen, müsse man Hindernisse am Weg als Teil des Abenteuers begreifen. 

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„Reisen verändert dich“, sagt Fabian Lentsch. „Ich will weg vom digitalen Alltag.“
Gepäck verstauen

Nach dem Stopp an einem See in Georgien wird das Gepäck neu verstaut.

© Carlos Blanchard/NINE&ONE

Abenteuer besteht demnach etwa aus iranischen Polizeikontrollen („Die waren vor allem von unserem Bus fasziniert“) oder aus Verständigungsproblemen beim Pisten-Scouting in ­armenischen Bergdörfern („Wir konnten kein Armenisch, sie kein Englisch. Aber wir liehen den Männern unsere Ski und gaben ihnen Unterricht. Dann wussten sie, wonach wir suchten“).

Fabian Lentsch springt mit den Schiern

© Elias Holzknecht/Nine & One

Der letzte Abschnitt der Reise führt statt durch verschneites Gebirge über Wüstenpisten. Als südlichsten Punkt der Route erreicht die Crew die Insel Qeschm in der Straße von Hormus. Lentsch packt seine Ausrüstung und klettert auf Sandberge, Sonnenschein, 25 Grad. Skifahren in einer Trockenlandschaft: Weiter weg von der World Tour geht nicht. 

Trockentraining

Trocken-Training: Lentsch bei der Abfahrt auf Sand auf der Insel Qeschm im Iran

© Ruedi Flück/NINE&ONE/Red Bull Content Pool

„Ein Roadtrip bringt dich wieder mit der wirklichen Welt in Kontakt.“

Am Abend sitzen Lentsch und seine ­Freunde in Campingsesseln auf dem Dach des LKWs und bestaunen einen kristallklaren Sternenhimmel. 

„Es ist Wahnsinn, wie viel Zeit wir damit vergeuden, auf Handybildschirme zu starren“, sagt Lentsch, wenn man ihn nach seinem ­Resümee dieser viermonatigen Reise fragt. „Ein Roadtrip bringt dich wieder mit der wirklichen Welt in Kontakt.“

Snowmads | A Journey Towards Eastern Suns

Pro skier Fabian Lentsch is a wanderer, through and through. In a customized fire truck, he sets off on an expedition to explore the peaks of the Middle East. With a rotating group of wildly different skiers, they wind up on the tour of a lifetime.

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01 2017 The Red Bulletin

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