Ultraläufer Dylan Bowman im Interview

Ultra-Läufer Dylan Bowman:
„Genieße die Stille“

Text: Andreas Tzortzis
Foto: Cameron Baird / Red Bull Content Pool 

Dylan Bowman gilt als Nachwuchs-Star von immer populärer werdenden Ultra-Marathons und fungiert als Lehrmeister für alle Hobby-Läufer.

Dylan Bowman war schon in jungen Jahren sehr sportlich und legte während seiner College-Zeit dank seiner Schnelligkeit eine beachtliche Lacrosse-Karriere hin. Danach begann er zunächst in den Höhenlagen seiner Heimatstadt Aspen, Colorado Kurzstrecken zu laufen, ehe er Schritt für Schritt die Distanzen erhöhte. 

Mittlerweile wird er über Strecken von 50 km, 50 Meilen, 100 km und 100 Meilen als einer der besten Läufer der Welt angesehen.

Bowman erklärt, warum ihn seine schlechtesten Eigenschaften zu einem guten Läufer machen und was ihm während des Rennens durch den Kopf geht.

THE RED BULLETIN: Kommen wir erst zum Schmerz: Wie fühlt man sich nach 100 Kilometern?

DYLAN BOWMAN: Ich verspürte das dringende Gefühl, mich hinlegen zu müssen. Die Schwindelanfälle und die Übelkeit lassen dich hinterfragen, warum du das eigentlich machst. Wenn man aber eine Nacht darüber schläft, wirken diese Fragen ziemlich dämlich.

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Welche mentalen Vorteile bringt Ihnen Ihr Job als professioneller Läufer für den Alltag?

Andere Aufgaben erscheinen weniger furchterregend. Und dein Selbstvertrauen wächst nach jedem Run. Die gute Nachricht: Beides gilt für Hobbyläufer genauso. Außerdem können negative Eigenschaften durch das Laufen verbessert werden.

Wie äußert sich das bei Ihnen?

Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich eine recht ungeduldige Person. Beim Laufen ist das ein Vorzug. Wenn ich Zeit verplempere odere eine kritische Phase ansteht, zwingt mich meine Ungeduld, weiterzumachen. Außerdem bin ich sehr stur. Wenn das Rennen nicht nach meinem Geschmack abläuft, gehe ich einfach mit dem Kopf durch die Wand. Wenn Sie allerdings meine Verlobte nach meiner Ungeduld fragen, wird sie ihnen nichts Positives darüber berichten. Abseits des Laufens ist es schließlich keine gute Eigenschaft.

Woran denken Sie, während Sie laufen?

Meistens verliere ich mich in Gedanken an Dinge, die mich ärgern. Aber mein Ziel ist es, den Kopf beim Laufen freizubekommen. Das sind die wirklich wertvollen Momente. Ich suche die Stille in meinem Kopf.

The Red Bulletin Podcast: Ultra Runner Dylan Bowman

The top ultra-runner doesn't chase competitors, or split times. He chases silence when he runs - The Red Bulletin, an active men's lifestyle magazine

Wie findet man diese Stille?

Indem man so oft wie möglich läuft. Mir selbst gelingt das nur in wenigen Fällen, daher trainiere ich täglich.

Menschen laufen auch, weil sie davon ein „runners high“ bekommen. Kann das überhaupt 100 Meilen andauern?

Solche magischen Momente kommen nur ein paar Mal im Jahr vor. Lediglich ein Bruchteil meiner Läufe sind so großartig, aber wenn es passiert, dann ist es eine transzendentale Erfahrung. Man wird förmlich süchtig danach.

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03 2017 The Red Bulletin

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