Roberta Mancino

Roberta Mancino - Das Model, das aus Flugzeugen springt

Text: Noah E. Davis
Foto: Luca Scalia

Die italienische Fallschirmspringerin, BASE-Jumperin und Wingsuit-Fliegerin Roberta Mancino verbringt ihre Zeit damit, für große Marken zu modeln. Bleibt dann noch Zeit, schwimmt sie mit Krokodilen und Haien. Oder gibt The Red Bulletin ein kurzes Interview.

Roberta Mancino begann ihre Model-Karriere mit 16 Jahren, doch so richtig startete die Italienerin erst durch, als sie anfing, aus Flugzeugen zu springen. Die Weltmeisterin im Skydiving spricht über die besten Plätze zum Springen, den Schlüssel zum perfekten Foto während eines Sprungs und darüber, niemals vom Gas zu steigen. 

THE RED BULLETIN: Als Sie mit dem Modeln begonnen haben, wurde Ihnen BASE-Jumping vertraglich verboten. Wie haben Sie es geschafft, sich diesen Einschränkungen zu widersetzen?

ROBERTA MANCINO: Mein Vertrag besagte, dass ich keine Stunts oder irgendetwas vergleichbar Gefährliches machen durfte. Ich verstehe das total, aber ich versuche nun keine Verträge mehr zu unterzeichnen, die irgendwelche Einschränkungen beinhalten. Wenn also ein neuer Model-Job ansteht und so etwas im Vertrag drin steht, mache ich es nicht. Es ist schade, dass ich den dann ablehnen muss, aber mir ist der Sport wichtiger. Meine Manager und ich haben hart daran gearbeitet, ein wenig Verständnis bei den Firmen dafür zu erwecken. Wenn sie ein Model wollen, das auch eine Athletin ist, muss ich nun eimal trainieren und meine Projekte weiterverfolgen.

Roberta fliegt mit dem Wingsuit zwischen zwei Gebäuden hindurch

Robertas Karriere startete so richtig durch, als sie begann, aus Flugzeugen zu springen.

© Noah Bahnson 

Hat der Sport Ihre Model-Karriere positiv beeinflusst?

Als ich mit dem Springen angefangen habe, war ich noch so jung und „nur ein Model“. Ich hatte wirklich nichts zu sagen. Als ich dann aber begann, auch andere Sportarten auszuprobieren - zum Beispiel trainierte ich viel Boxen - wurde ich auch für Magazine interessant. Meine Interviews wurden besser. Jeder wollte mehr darüber erfahren. Und dann begann ich mit dem Fliegen und es wurde nochmal spannender. Alle wollen fliegen und daher auch wissen, wieso ich das tue. Wenn du ein Model interviewst, geht es eben nur um Fashion und die Arbeit. Ehrlich, das ist total langweilig (lacht). Am besten ist, das Modeln mit BASE-Jumping, Skydiving, Unterwasser-Schwimmen mit Tieren, und dem ganzen anderen Kram den ich so gemacht habe, zu kombinieren.

Was ist der Schlüssel für ein gutes Foto während des Sprungs?

Du musst wirklich extrem viel Erfahrung haben, sowohl mit dem Sport als auch mit dem Modeln. Skydiving ist etwas entspannter als BASE-Jumping, weil du hierbei viel mehr Zeit hast. Wenn ich Skydiving-Sprünge für Magazine mache, konzentriere ich mich auf die akrobatischen Elemente. Gleichzeitig muss aber auch mein Ausdruck schön und entspannt sein. Ich lächle, aber das ist nicht schwer, weil das sowieso automatisch passiert wenn ich in der Luft bin. 

Beim BASE-Jumping ist das etwas schwieriger. Es geht sehr schnell und außerdem passiert so viel gleichzeitig. Du musst dich mehr auf deine Sicherheit konzentrieren. Die ersten paar Sekunden kannst du damit verbringen, ein schönes Gesicht für die Fotos zu machen, aber danach eben nicht mehr. Sonst wäre das extrem gefährlich. Du musst dich mehr auf den richtigen Moment konzentrieren, an dem du deinen Fallschirm öffnest. 

© YouTube // GoPro

Wo springen Sie am liebsten? 

Skydiving ist am schönsten in Contadora in Panama. Das ist eine kleine Insel. Da sind auch noch andere Inseln rundherum, aber von dort kannst du mit dem Wingsuit überall hinfliegen. Es ist herrlich, über das Meer zu fliegen und dann am Strand zu landen.

„Manchmal hätte ich natürlich gern mein Gewand, meine Küche, meine Routine. Aber ich liebe, was ich tue.“
Roberta schwimmt mit einem Krokodil

Für ein Unterwasservideo schwimmt Roberta mit einem Krokodil. 

© Eli Martinez

Sie haben eine unglaubliche und auch eher ungewöhnliche Karriere hinter sich. Haben Sie auch manchmal Zeit dazu, sich in Ruhe hinzusetzen und an die Zeit zurückzudenken?

Ich schaue ständig nach vorne, gebe immer Gas. Meine Freunde fragen mich manchmal, ob ich jemals mehr als eine Woche irgendwo verbringe. Ab und zu ja, aber nie mehr als drei Wochen. Ich reise ständig und komme immer mit neuen Ideen für Projekte auf. Es macht so viel Spaß, zu verreisen. Manchmal hätte ich natürlich gern mein Gewand, meine Küche, meine Routine. Ich habe das alles nicht, also ist es nicht immer leicht.

Aber ich liebe, was ich tue. Ich liebe es, mit Tieren zu schwimmen. Dabei verbringt man Wochen auf einem Boot und viele Stunden im Wasser. Ich halte mich immer beschäftigt. Ich lerne gerade Surfen. Ich will noch mehr unter Wasser machen, mit Haien und Walen in Hawaii schwimmen. Mein nächstes Projekt ist ein Scubadiving-Projekt und dann hab ich noch ein Flugprojekt in Chile. Ich bin eben immer nur auf Reisen, aber es macht Spaß. Ich bin noch nicht müde. 

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01 2016 The Red Bulletin

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