WRC-Champion Sébastien Ogier: Tipps für Autofahrer

Sébastien Ogier: So wirst du ein besserer Autofahrer

Foto: Bastien Baudin/DPPI
Text: Werner Jessner

Rallyepiloten sind die weltbesten Autofahrer. Sébastien Ogier, WRC-Champion der Jahre 2013 bis 2016, sagt uns, was wir für den Alltag von ihm lernen können.

THE RED BULLETIN: Woran erkennt man gute Autofahrer auf der Straße?

SÉBASTIEN OGIER: Sie fallen nicht auf.

Okay, drehen wir den Spieß um: Was macht schlechte Autofahrer aus?

Sie sind zu hart auf der Bremse. Sie fahren Kurven nicht in einem Bogen, sondern in vielen Ecken. Auf Landstraßen fahren sie langsamer als erlaubt und auf der Autobahn ständig auf der linken Spur. Sie blinken nicht beim Abbiegen und gefährden damit den Motorradfahrer hinter ihnen. Es gibt so viele Punkte …

Bist du ein guter Beifahrer?

Meine Frau behauptet, ich wäre der schlechteste der Welt, weil ich ihr dauernd reinrede.

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Lass uns also bessere Autofahrer werden, nur für den Fall, dass du einmal bei uns einsteigst.

Es beginnt mit der korrekten Sitzposition. Faustregel: Wenn du die linke Hand – nicht die rechte! – bei zwei Uhr aufs Lenkrad legst, sollte die Schulter noch Kontakt mit der Sitzlehne haben.

Sébastien Ogier, 32: Greift 2017 im Ford Fiesta von M-Sport an.

© youtube // Anton Brorsson

Keiner fährt dauernd mit beiden Händen am Lenkrad. Nicht im Alltag.

Stimmt schon. Aber auf einer schönen Bergstraße hat man so einfach mehr Kontrolle und auch Spaß. Grundsätzlich muss man den Schaltknauf während der Fahrt nicht festhalten. In den meisten Autos ist er angeschraubt.

„Wer das richtige Lenken verinnerlicht, dessen Bewegungen werden automatisch sicherer und runder“

Richtig lenken also. Ist das tatsächlich so kompliziert?

Um die Kurve kommt jeder, aber in kritischen Situationen hilft es, wenn du weißt, wie es korrekt geht. Daumen haben nichts innerhalb des Lenkrades verloren, sondern liegen bitte außerhalb. Bei einem Unfall kann das sonst nämlich böse weh tun. Man hat spürbar mehr Kontrolle, wenn man das Lenkrad mit der kurvenäußeren Hand drückt, statt mit der inneren daran zu ziehen. Wer das verinnerlicht, dessen Bewegungen werden automatisch sicherer und runder, und da rede ich noch nicht vom Rallyefahren. Das gilt auch im Alltag.

Sébastien Ogier geht 2017 mit dem neuen Fiesta RS WRC an den Start.

© M-Sport/Red Bull Content Pool

Wie lernt man Multitasking im Auto? Gerade Rallyefahrer machen, so kommt es einem vor, zehn Dinge zugleich.

Das stimmt grundsätzlich, allerdings bezieht sich alles, was ich im Rallyeauto mache, aufs schnelle Fahren, und zwar ausschließlich. Ich checke während der Fahrt keine E-Mails, sondern Zwischenzeiten oder Autotemperaturen. Ich höre in der Freisprecheinrichtung keine Geschäftspartner, sondern den Co-Piloten, der mir die nächste Kurve ansagt. Diese Informationsflut zu bewältigen – das braucht Zeit.

„jeder Mensch sollte Autofahren üben und sich freiwillig im gesicherten Rahmen in Stresssituationen bringen, um im Ernstfall cool zu bleiben.“

Telefonierst du nie im Auto?

Doch, aber ich behaupte jetzt einmal, dass meine Fähigkeit, während der Fahrt viele Informationen zugleich zu verarbeiten, ziemlich gut ausgeprägt ist. Es gibt geübte und ungeübte Fahrer. Bei niedrigen Geschwindigkeiten funktionieren auch Ungeübte, selbst mit dem Telefon am Ohr. Wenn es aber schneller wird, reduziert sich die Qualität dessen, was sie tun. Darum sollte jeder Mensch Autofahren üben und sich freiwillig im gesicherten Rahmen in Stresssituationen bringen, um im Ernstfall cool zu bleiben.

So wirst du Rallyepilot - Tipps und Tricks

Mach den Führerschein und löse eine Rennfahrer-Lizenz. Unerlässlich: ein ärztliches Attest. Internationale C-Lizenz: 284 Euro. Kauf ein billiges, aber verlässliches Rallyeauto und organisiere ein paar Freunde. Bestreitet jede Rallye, die ihr euch leisten könnt. Wenn ihr nicht fahrt, setzt das Auto wieder instand. Kosten des Autos: ab 5000 Euro.

Wie fühlt sich Kontrollverlust an?

Auf einer Rallye passiert das immer wieder, aber eben nur für Sekundenbruchteile. Wenn du länger out of control bist, wird es in der Regel laut und schmerzhaft.

Was rätst du uns Normalfahrern, wenn wir merken, dass wir die Kontrolle verloren haben?

Kämpft. Macht irgendwas: Lenkt, schaut vom Hindernis weg, löst die Bremse. Vermeidet den Moment des Einschlags, solange es geht. Dazu muss man den angeborenen Totstellreflex in Gefahrensituationen überwinden. Nur wer entspannt ist, kann sich auf seine Reflexe verlassen.

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02 2017 The Red Bulletin

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