Trans Provence

Mountainbike-Abenteuer Trans-Provence: vom Schnee ins Meer

Foto: DUNCAN PHILPOTT

Ein Rennen, aber vor allem ein Abenteuer: In 6 Tagesetappen von den Alpen ans Mittelmeer, das ist Trans-Provence. Die Gehrig-Zwillinge Caro und Anita waren für uns ganz vorn mit dabei.

Als die 81 Mountainbiker am ­Morgen des ersten Tages ihre ­Köpfe aus den Zelten stecken, stellen sie fest: Der heftige nächtliche Regen hat aufgehört, doch der Blick zum Horizont zeigt Weiß: Schnee im Juni und die Gewissheit, schon sehr bald Bekanntschaft mit dem saisonfremden ­Bodenbelag zu machen, führt die erste Tages­etappe doch gleich auf 2500 Meter Seehöhe.

Kurz hegen die Gehrig-Zwillinge Anita und Caro Zweifel, ob die Wiederholung des Trans-Provence-Abenteuers eine gute Idee gewesen ist. Bereits vor zwei Jahren hatten die erfolgreichen Schweizer Mountain­bikerinnen an diesem Etappenrennen für Mountainbikes durch den ­Süden Frankreichs teilgenommen, das aber vor allem eins ist: „Eine Woche Mountainbiken mit Freunden in unglaublicher Landschaft und auf Trails, von denen du das ganze Jahr lang träumst.“

Trans-Provence

Start: Embrun
Ziel: Menton
Distanz: 271 km

1. Etappe: 38,00 km | Embrun – Barcelonnette
Höhenunterschied: bergauf: 1739 m | bergab: 2502 m

2. Etappe: 44,34 km​ | Barcelonnette – Villars-Colmars 
Höhenunterschied: bergauf: 1586 m | bergab: 2646 m

3. Etappe: 47,78 km | Villars-Colmars – Valberg
Höhenunterschied: bergauf: 1733 m | bergab: 3025 m

4. Etappe: 33,10 km​ | Valberg – Valdeblore
Höhenunterschied: bergauf: 736 m | bergab: 2775 m

5. Etappe: 65,28 km​ | Valdeblore – Sospel
Höhenunterschied: bergauf: 1623 m | bergab: 4288 m

6. Etappe: 42,76 km​ | Sospel – Menton
Höhenunterschied: bergauf: 1760 m | bergab: 2767 m

Und jetzt: Schnee. Trage­passagen, die an Motivation wie Kraft gleichermaßen zehren. Ein Defekt an Anitas Federgabel, der nur deshalb kaum ins Gewicht fällt, weil die unmöglichen Be­dingungen alle Fahrer dramatisch einbremsen. Gutes Material, schlechtes Material: Wenn es ums schiere Durchkommen geht, zählt bloß noch der Fahrer. 

Als die 81 Mountainbiker an den nächsten Morgen ihre Köpfe aus den Zelten strecken, ist alles anders. Die Sonne lacht, und das Trans-Provence zeigt jenes Gesicht, das diese herausfordernde und anstrengende, aber durch und durch lohnenswerte Veranstaltung vom Geheimtipp zum Highlight im Kalender internationaler Enduro-Mountainbiker werden ließ: Von 500 Bewerbern jährlich werden nur die besten (plus ein paar handverlesene Freunde) akzeptiert.

Denn mindestens genauso wichtig wie der Pokal ist der Spirit der Veranstaltung. Caro Gehrig: „Es ist ein großes Miteinander: Eine Woche Radfahren in dieser Abgeschiedenheit, das willst du nicht allein machen. Wir waren meistens in Grüppchen von fünf oder sechs Leuten unterwegs. Während der Woche unterhältst du dich irgendwann mit jedem. Die Tage sind lang: Minimum sechs, oft auch acht Stunden. In schwachen Momenten bist du über Gesellschaft froh.“

Gegner werden unterwegs zu Freunden, die das Naturerlebnis verbindet. Caro: „Tag drei war mein persönliches Highlight: ­ultrageil, mega-anstrengend, heiß, ein scheinbar unendlicher Singletrail bergauf, mit ­großer Vorfreude auf das, was dahinter liegt. Jede Sekunde war es wert: Kein einziger Teilnehmer hat auf der Abfahrt den Grinser aus dem Gesicht ­bekommen. Es war der perfekte Flow an einem perfekten Tag.“

Trans Provence

Rumspielen

Weiß dieser Mann, was er tut? Eher nein, denn die rechte Hand am Lenker fehlt bereits. Unterwegs mit dem Neuseeländer Jamie Nicoll

© Sven Martin

Natürlich gibt es Defekte, ­Pannen, Stürze, all das eben, was zu einem gelungenen Tag am Mountainbike dazugehört, zumal du eigentlich ein Rennen fährst, denn, so Caro Gehrig, „natürlich willst du auf den gezeiteten Teilstücken alles geben, aber weil du die Trails nicht kennst, machst du garantiert Fehler. Die anderen machen aber auch welche, das macht den Reiz aus. Du musst den Trail lesen, interpretieren und für dich entscheiden, wie viel Risiko du jeweils nimmst. Nach vier ­Tagen lagen zwischen Platz eins und Platz drei bei uns Mädels bloß vierzehn Sekunden!“

Trans Provence

Genießen

Momente, in denen du das Rennen vergisst und dich ganz dem Berg hingibst

© Sven Martin

Das Ziel nach sechs Tagen am Meer wird zelebriert, „es ist die größte Erlösung überhaupt“. Die Mädels rufen auf der letzten Abfahrt den Bikini Ride aus: endlich raus aus den Bike-Klamotten! Nur in Badesachen ­fetzen sie auf ihren geschundenen Mountainbikes bis an den Strand runter, um direkt ins Meer zu springen, und wenn sie wieder rauskommen, warten am Strand kühle Getränke und eine zünftige After-ride-Party.

Nächstes Jahr wieder, Caro? „Unbedingt! Selbst wenn am Start wieder Schnee liegen sollte.“

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09 2016 The Red Bulletin

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